Falte ein Blatt Papier in der Mitte, tropfe Tinte darauf und klappe es wieder auf. Es entsteht ein Bild, dessen linke Hälfte das Spiegelbild der rechten ist. Manche Funktionsgraphen sehen genau so aus — sie sind achsensymmetrisch zur y-Achse. Solche Funktionen nennt man gerade. Andere Graphen decken sich nach einer halben Drehung um den Punkt (0 | 0) mit sich selbst. Das sind ungerade Funktionen.
Inhalt
- Gerade Funktionen
- Ungerade Funktionen
- So prüfst du es durch Rechnen
- Weder gerade noch ungerade
- Achtung bei der Definitionsmenge
- Häufige Fehler
- Kurz gesagt
- Probier es selbst
- Übe weiter
Gerade Funktionen
Nehmen wir f(x) = x². Setzen wir 3 und −3 ein:
- f(3) = 3² = 9,
- f(−3) = (−3)² = 9.
Für entgegengesetzte Zahlen kommt derselbe Wert heraus. Das gilt für jedes x, denn das Quadrieren „verschluckt“ das Vorzeichen.
Eine Funktion f ist gerade, wenn für jedes x aus der Definitionsmenge gilt:
f(−x) = f(x) — man liest „f von minus x ist gleich f von x“.
Der Graph einer geraden Funktion ist achsensymmetrisch zur y-Achse. Ein Punkt (a | b) auf dem Graphen hat immer einen „Zwilling“ (−a | b).
Gerade sind zum Beispiel x², x⁴, |x|, x² − 5, 3/(x² + 1).
Ungerade Funktionen
Nehmen wir f(x) = x³:
- f(2) = 2³ = 8,
- f(−2) = (−2)³ = −8.
Für entgegengesetzte Zahlen kommen entgegengesetzte Werte heraus.
Eine Funktion f ist ungerade, wenn für jedes x aus der Definitionsmenge gilt:
f(−x) = −f(x) — man liest „f von minus x ist gleich minus f von x“.
Der Graph einer ungeraden Funktion ist punktsymmetrisch zum Ursprung (0 | 0). Ein Punkt (a | b) hat den „Zwilling“ (−a | −b).
Ungerade sind zum Beispiel x, x³, x⁵, 1/x, x³ − 4x.
💡 Die Namen sind kein Zufall: x² und x⁴ haben einen geraden Exponenten und sind gerade, x und x³ haben einen ungeraden Exponenten und sind ungerade.
So prüfst du es durch Rechnen
Das Vorgehen hat drei Schritte:
- Prüfe, ob die Definitionsmenge symmetrisch zu null ist (mit jedem x enthält sie auch −x).
- Setze im Funktionsterm −x statt x ein und vereinfache.
- Vergleiche das Ergebnis mit f(x) und mit −f(x).
Beispiel 1
f(x) = x⁴ − 3x².
- Die Definitionsmenge ist ℝ, sie ist symmetrisch.
- f(−x) = (−x)⁴ − 3(−x)² = x⁴ − 3x².
- Es kommt der ursprüngliche Term heraus: f(−x) = f(x). Die Funktion ist gerade.